LEITFADEN · DIGITALER PRODUKTPASS

Was ist der Digitale Produktpass und wer ist ab 2027 verpflichtet?

Ab 2027 muss jedes in der EU verkaufte Textilprodukt einen Digitalen Produktpass haben. Was ist das, was muss er enthalten, wer ist betroffen und wie bereitet man sich rechtzeitig vor?

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Was ist der Digitale Produktpass?

Der Digitale Produktpass (DPP) ist ein digitales Dokument, das alle relevanten Informationen zu einem Produkt sammelt und zugänglich macht: Materialzusammensetzung, Produktionskette, Behandlungen und Veredelungen, Haltbarkeit und Entsorgungshinweise. Er ist über einen QR-Code oder einen NFC-Chip am physischen Produkt abrufbar.

Das Ziel des DPP ist zweifach: Verbrauchern transparente und überprüfbare Informationen zu geben und den Behörden ein Kontrollinstrument für die Produktkonformität bereitzustellen.

ZUSAMMENFASSUNG

Der DPP ist ein gesetzlich vorgeschriebener digitaler Produktausweis. Es ist keine unternehmerische Entscheidung oder Marketingmaßnahme — es ist eine Rechtspflicht mit festem Datum.

Die ESPR-Verordnung: die Rechtsgrundlage

Der DPP wird durch die Verordnung (EU) 2024/1781, bekannt als ESPR (Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte), eingeführt, die am 18. Juli 2024 in Kraft getreten ist. Sie ersetzt die frühere Ökodesign-Richtlinie von 2009 und erweitert deren Geltungsbereich erheblich.

Für den Textil- und Bekleidungssektor wird die Frist auf 2027 festgelegt.

Wer ist betroffen?

Die Pflicht betrifft alle Hersteller, Importeure und Händler, die Textilprodukte auf dem EU-Markt in Verkehr bringen — unabhängig davon, wo das Produkt hergestellt wird. Es ist keine Pflicht, die auf große Unternehmen beschränkt ist: Sie betrifft KMU, Handwerksbetriebe und Marken jeder Größe.

Das gilt auch für Schweizer Unternehmen, die ihre Produkte im EU-Markt vertreiben: Wer ab 2027 Bekleidung, Textilien oder Modeaccessoires in der EU verkauft, braucht einen konformen DPP.

WICHTIG

Ein Produkt ohne konformen Digitalen Produktpass darf ab 2027 nicht mehr auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht werden. Es geht nicht um eine Geldbuße — sondern um ein Verkaufsverbot.

Was muss der DPP für Textilien enthalten?

Fristen im Überblick

KategorieDPP-FristStatus
Batterien2025–2026Bereits in Kraft
Textil und Bekleidung2027In Vorbereitung — jetzt handeln
Elektronik und IKT2027–2028In Vorbereitung
Eisen und StahlNoch festzulegenVorbereitungsstudie läuft
Andere Sektoren2028–2030Delegierte Rechtsakte ausstehend

Wie man sich vorbereitet

1. Lieferkette kartieren

Der erste Schritt ist die Dokumentation der gesamten Produktionskette: Rohstofflieferanten, Lohnhersteller, Veredelungsbetriebe. Der DPP erfordert Rückverfolgbarkeit — und man kann nur deklarieren, was man kennt.

2. Produktdaten erfassen

Für jede Produktreferenz müssen die erforderlichen Daten gesammelt und strukturiert werden: Zusammensetzung, Zertifizierungen, Behandlungen, Pflegeanleitungen.

3. Technologielösung wählen

Der DPP erfordert eine eindeutige digitale Identität pro Produkt, zugänglich über QR oder NFC. Wer jetzt wählt, hat Zeit zur reibungslosen Integration in die Produktion.

4. Konformität sicherstellen

Die gewählte Lösung muss den technischen Anforderungen der delegierten Rechtsakte entsprechen: Datenformat, EU-Zentralregister, öffentliche Zugänglichkeit des Passes.

DER VORTEIL FRÜHER VORBEREITUNG

Wer sich 2025–2026 anpasst, ist 2027 mit über einem Jahr Betriebserfahrung startklar — ohne die Kosten und den Druck einer Last-Minute-Umstellung. Und mit einem konkreten Argument gegenüber internationalen Einkäufern.

DPP als Fälschungsschutz

Über die gesetzliche Pflicht hinaus bietet der DPP einen zweiten Wert — für Unternehmen im oberen Marktsegment oft unterschätzt: Er ist ein Instrument des Fälschungsschutzes. Ein auf Blockchain basierender Digitalpass kann nicht dupliziert werden, ohne Spuren zu hinterlassen. Fortschrittliche Systeme wie BEAD ergänzen dies um eine geografische Scan-Kontrolle: Wird derselbe Tag innerhalb weniger Minuten an weit entfernten Orten gescannt, löst das System automatisch einen Alert aus.

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